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Nachhaltigkeit: Freiwillig und ohne einheitliche Standards? Mitnichten!

Man könnte meinen so wie über Nachhaltigkeit von Unternehmen berichtet wird, handelt es sich um freiwillige Angaben. Dies allerdings ist ganz und gar nicht so.
 

Verpflichtung zur Berichterstattung über Nachhaltigkeit
Mit dem BilReG von 2004 wurden nicht-finanzielle Leistungsindikatoren Pflichtbestandteil in die Lageberichterstattung von Unternehmen. Um dieser Verpflichtung zu unterliegen muss es sich bei dem Unternehmen um:

eine große Kapitalgesellschaft (§ 267 HGB) oder
um einen Konzern handeln und
nicht finanzielle Indikatoren für das Verständnis des Geschäftsverlaufs oder der Lage des Unternehmens von Bedeutung sein.

Der Gesetzgeber nennt hier als Beispiel für nicht-finanzielle Leistungsindikatoren beispielsweise Umwelt- und Arbeitnehmerbelange (§ 315 I HGB).
Das heißt: Wenn bei einem Unternehmen im Geschäftsjahr Nachhaltigkeitssachverhalte
eingetreten sind oder sich dahingehend verändert haben, dass sie eine Bedeutung für Geschäft oder Lage jetzt oder in der Zukunft haben, muss darüber im Lagebericht Bericht erstattet werden.
Wenn also gewünscht ist gesetzeskonform zu berichten, muss, unter diesen Umständen, Nachhaltigkeit voll mit berücksichtigt werden.

Leitfäden und Standards
Nachhaltigkeit kann gut gemanaged werden und es kann gut darüber berichtet werden, denn Standards und Leitfäden gibt es, die das Thema Nachhaltigkeit zum Inhalt haben. Hier ein paar Beispiele:

Global Compact der UN: Kein Standard oder Leitfaden im eigentlichen Sinne, sondern viel mehr ein Set an Verpflichtungen, die bereits eine Richtung zeigen können.
http://www.unglobalcompact.org/AboutTheGC/TheTenPrinciples/index.html

G3 der Global Reporting Initiative: Weltweit anerkannte Richtlinie für die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten von Unternehmen.
http://www.globalreporting.org/ReportingFramework/G3Guidelines/#5

KPIs for ESG von der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management: Leitfaden mit Anforderungen des Finanzmarktes an die Nachhaltigkeitsberichterstattung.
http://www.dvfa.de/files/die_dvfa/kommissionen/non_financials/application/pdf/KPIs_ESG_FINAL.pdf 

SA8000 von Social Accountability International: Leitfaden mit Anforderungen speziell für den Sozialen Sektor der Nachhaltigkeit.
http://www.sa8000.org/ anforderungen

EMAS oder ISO 14001: Standards für Umweltmanagement
http://www.iso.org/

ISAE 3000 der International Federation of Accountants: Guide zur Prüfung von Nachhaltigkeitssachverhalten.
http://www.ifac.org/IAASB/ProjectHistory.php?ProjID=0008

AA1000 Assurance Standard vom Institute of Social and Ethical AccountAbility: Guide zur Prüfung unter Berücksichtigung von Stakeholdern.
http://www.accountability.org.uk/uploadstore/cms/docs/Assurance%20Standard%20for%20
Web.pdf.

IDW PS 821 des Instituts deutscher Wirtschaftsprüfer: Grundsätze ordnungsmäßiger Prüfung oder prüferischer Durchsicht von Berichten im Bereich der Nachhaltigkeit
http://www.idw.de/idw/portal/n281334/n281114/n302246/index.jsp

Das heißt: Es besteht nicht nur eine unternehmerische Verantwortung Nachhaltigkeit zu managen, viele Unternehmen sind zudem verpflichtet über Nachhaltigkeit zu berichten. Und es gibt eine Reihe von Standards und Leitfäden, die dabei helfen können sowohl in der  Berichterstattung als auch im Management gute Leistungen zu erreichen.

Teil eines größeren Ganzen - Nachhaltigkeit als Aspekt der Unternehmensführung für eine angemessene Steuerung der suprasystemischen Integration und für nachhaltigen Geschäftserfolg

Nachhaltiges Handeln bietet für Unternehmen wesentlich mehr Chancen als Risiken und zahlt sich aus. Bei Geschäftsmodellen die nachhaltig ausgestaltet sind beispielsweise mag dies schnell offensichtlich sein, ebenso bei nachhaltiger Unternehmensführung die die mittel- und langfristige Bestandssicherung gewährleistet, aber wie ist es mit den ökologischen, sozial-gesellschaftlich und unternehmerisch-steuernden Aspekten?

Nutzen von Nachhaltigkeit
Die ökonomische Notwendigkeit von Nachhaltigkeit durch bestandssichernden Maßnahmen ist direkt offensichtlich. Die ökologischen, sozial-gesellschaftlichen und unternehmerisch-steuernden Aspekte der Nachhaltigkeit sind mit Sicherheit normativ zustimmungspflichtig, aber die ökonomische Notwendigkeit ist, obwohl vorhanden, meist nicht direkt transparent. Hier ein paar Beispiele zu den einzelnen Aspekten:

Licence to Operate: Gerade für Unternehmens außerhalb des Dienstleistungssektors von großer Bedeutung. Ein zu lockerer Umgang und eine zu kurzfristige Sicht auf evtl. Gesundheits- oder Umweltfolgen kann in Verboten und Lizenzentzug münden.

Kosteneinsparungen: Zum einen durch Einsparungen generell, bspw. bei Energie, Wasser oder Wärme, aber auch höhere Ressourceneffizienz in der gesamten Wertschöpfungskette, proaktive Nutzung von Recyclingpotentialen etc., geringer Verbrauch, geringere Materialintensität usw.

Verbrauchervertrauen: Produkte deren Produktion kein schlechtes Gewissen beim Verbraucher erzeugt werden stärker nachgefragt. Auch sind Verbraucher unter sonst gleichen Bedingungen eher bereit bei dem Unternehmen ihr Geld zu lassen das ihnen sympathischer und mit den eigenen Werten in Übereinstimmung erscheint und belohnen dies mit Wiederkaufsraten.

Attraktiver Arbeitgeber: Unternehmen die sich für Nachhaltigkeitsaspekte und insbesonders sozial-gesellschaftliche Aspekte einsetzen, sind attraktiver für Bewerber und die eigenen Mitarbeiter.

Verschiedenartigkeit nutzen: Gerade globale Unternehmen müssen die Verschiedenartigkeit Ihres Unternehmens erkennen und aktiv für sich nutzen. Nachhaltige Unternehmen nutzen die Performance-Chancen die sich in einem ganzheitlichen Diversity Management verbergen.

Erfolg durch Wissen: Nachhaltige Unternehmen investieren in ihre Human Ressources. Bspw. durch echtes Wissensmanagement um Wissen zu teilen, Wissen zu transferieren, zu erweitern und gezielt einzusetzen. Oder durch Maßnahmen um die Gesundheit der Mitarbeiter aufrecht zu erhalten.

Die Gemeinschaft sinnvoll unterstützen: Nur wenn das Umfeld stark ist geht es auch dem Unternehmen gut. Nachhaltige Unternehmen haben dies im Scope und unterstützen daher zielgerichtet bspw. Initiativen für gute Bildung.

Investorenvertrauen: Der Kapitalmarkt hat ein Auge auf Nachhaltigkeit - Unternehmen die sich hier engagieren sind attraktiv für Investoren. Auch wird die Berichterstattung über Nachhaltigkeit vermehrt eingefordert.

Brand protection: Starke und gute Marken können schnell abstürzen, wenn das Markenversprechen nicht mit dem Handeln des Unternehmens übereinstimmt.

Brand enhancement: Unternehmen die Nachhaltigkeit hingegen ernsthaft betreiben können ihre Marke positiv aufladen und verstärken, auch eine stärkere Differenzierung ist dadurch möglich.

Reputation: Allgemeiner verhält es sich genauso, zum einen kann eine nachhaltige Unternehmensführung Reputationsschäden von vornherein abwenden und die Reputation des Unternehmens sogar merklich steigern.

Fraud: Wirtschaftskriminalität wird nicht nur dort wirksam bekämpft wo es viele Kontrollen gibt. Korrektes und normenkonformes Verhalten ist Teil der nachhaltigen Unternehmensführung. Unternehmen die Nachhaltigkeit ernsthaft angehen können dolose Handlungen eher verhindern als andere.

Der Regulierung zuvor kommen: Dosenpfand und Nichtraucherschutz im Gastgewerbe sind nur zwei plakative Beispiele wie die Selbstregulierung der Marktteilnehmer versagt hat. Nachhaltige Unternehmen kommen, im Dialog mit ihren Stakeholdern, einer, wohlmöglich zu weit greifenden, Regulierung zuvor in dem sie selbst die Probleme erkennen und wirksam managen.

Alle diese Punkte sind für Unternehmen von belang, auch wenn je nach Unternehmen vielleicht in unterschiedlicher Ausgestaltung oder Intensität. Über diese ökonomische Notwendigkeit Nachhaltigkeit zu steuern hinaus, gibt es noch einen weiteren, eher normativen Aspekt, der zu betrachten ist.

Suprasystemischen Integration
Das System der Umwelt - hier als der weitergefasste, über Ökologie hinausgehende Begriff zu verstehen - auf unserem Planeten ist hochkomplex und erlaubt verschiedenste Sichtweisen wie der Mensch sich als Teil dieses System verstehen kann. Hier zwei gegensätzliche Positionen:

Anthropozentrismus
Diese antiholistische sichtweise versteht den Menschen als Zentrum und “Eigentümer” der Umwelt. Bspw. erkennt der Anthropozentrismus die Natur nur in den Aspekten in dem sie dem Menschen nutzen stiftet. Eine ethische Verpflichtung des Menschen sein Dasein mit seiner Umwelt im Einklang zu verbringen exisitiert nicht. Eine Sichtweise dieser Prägung kann natürlich zu einem anderen moralischem Grundverständnis und zu anderen Handlungen führen, als wenn eine andere, moderatere Betrachtungsweise vorliegt.

Tiefenökologie
Das direkte Gegenteil ist die Tiefenökologie. Die Tiefenökologie ist biozentrisch (Achtung und Rücksicht für alles Leben) und kritisiert direkt die anthropozentrische Sichtweise und das Nutzungsinteressendiktat des Menschen. Laut der Tiefenökologie kann der Mensch nur in Balance mit der Umwelt langfristig bestehen.

Über beide Extrempositionen kann man urteilen wie man es für richtig hält. Keine der beiden Wege kann konsequent verfolgt werden: Totaler Anthropozentrismus führt die menschliche Gemeinschaft in den nächsten 100 Jahren in den Kollaps, Tiefenökologie würde einen so radikalen Umbau der Gesellschaft erfordern, der, auf globaler Ebene, nicht konsequent durchzusetzen wäre. Ein Weg in der Mitte ist hier viel eher gangbar. Eine erster Schritt in diese Richtung ist Erkenntnis: Das kollektive Bewußtsein braucht eine Normenerweiterung und muss sich selbst als Teil eines fragilen Systems verstehen.

Bedeutung für Unternehmen
Wie gehen Unternehmenslenker damit um? Sie sind Teil des Systems, aber Veränderungen auf globaler Ebene können sie nicht allein bewältigen. Welcher Verpflichtung müssen sich nachkommen? Die Antwort ist einfach, in der ersten Linie der Verpflichtung Rendite für ihre Kapitalgeber zu erwirtschaften. Aber wenn durch nachhaltige Unternehmensführung eine ebenso hohe oder höhere Rendite erzielt werden kann, dann ist es Teil der unternehmerischen Verantwortung nachhaltig zu handeln. Wenn es möglich ist die gleiche oder höhere Rendite zu erzielen und dabei ressourcenschonend und in Balance mit dem Umfeld, der Umwelt und den Anspruchsgruppen zu agieren ist eine Frage der unternehmerischen und auch der moralischen Verantwortung dies zu tun. Suprasystemische Integration bedeutet nicht nur sich als Teil des direkten Umfeldes zu verstehen, sondern als Teil eines größeren Systems und in diesem System harmonisch zu agieren.

Große Veränderungen auf globaler Ebene können Unternehmen allein nicht durchsetzen, aber sie können ein Teil davon sein, Vorreiter und Zeichen setzen. Zudem können sie signalisieren, dass sie verstanden haben ihren Beitrag zu leisten die Aufgaben der nächsten Jahrzehnte mit zu bewältigen und das sie verstanden haben welche ökonomische Vorteile im nachhaltigen Handeln stecken.

Nachhaltigkeits-Begriffsdschungel und Anforderungen an die wirkliche Welt

Wie bei allen Themen die viel diskutiert werden und von daher einer großen Dynamik unterliegen, ist auch der Begriffsumfang und die Benennung des Nachhaltigsbegriffs in ständiger Bewegung. Sustainability, Corporate Responsibility, Nachhaltigkeit, Corporate Social Responsibility, Corporate Citizenship, Unternehmensverantwortung oder Responsible Business sind nur einige Begriffe, die damit gern in dem Zusammenhang genannt werden.

In Ermangelung einheitlicher Definition oder verlässlicher Standards lassen sich alle Benennungen zu einem Begriffsbrei zusammenrühren (evtl. mit Ausnahme von Corporate Citizenship, das meist einen sehr starken Bezug nur zu den sozialen Aspekten hat).
Viel entscheidender ist was mit Sustainability, Nachhaltigkeit oder Corporate Social Responsibility denn gemeint ist, bzw. alles umfasst. Der Begriff Nachhaltigkeit als Wort steht für Bewahren, zukunftsfähiges und langfristig orientiertes Handeln, Berücksichtigung der Außenwelt, Substanzerhalt. Für Unternehmen bedeutet Nachhaltigkeit daher im Speziellen Maßnahmen die die Unternehmensfunktionen in Hinblick auf ökologische, soziale, unternehmerisch-steuernde und bestandssichernde Aspekte ausrichten (vgl. bspw. den Europäischen Aktionsrahmen für CSR oder das Grünbuch der Europäischen Kommission).

Aus dieser Perspektive heraus werden zwei Dinge deutlich: Zum einen ist Nachhaltigkeit kein isoliert zu betrachtendes, nur ökologisches Themenfeld, sondern ein ganzheitlicher Ansatz des operativen und strategischen Managements.
Und zum Zweiten: Nachhaltigkeitsmanagement muss durch eine dafür angemesse Stelle bzw. Position im Unternehmen wahrgenommen, gewährleistet und durchgeführt werden.

Die Situation heute
Zum jetzigen Zeitpunkt werden Nachhaltigkeitsaspekte eher nicht gemanaged oder durch Abteilungen die diese Aufgaben nicht voll erfüllen können - zumindest ist dies der Eindruck von aussen. Dies mag damit im Zusammenhang stehen, dass Nachhaltigkeit noch keine besondere Rolle im Unternehmen spielt was ein Indikator dafür ist dass das Potenzial an vielen Stellen einfach noch nicht richtig verstanden wird. Wenn PR-Abteilungen oder Investor-Relations-Teams das gesamte Nachhaltigkeitsmanagement leisten sollen kann dort nicht viel bei herauskommen. Auch wenn Nachhaltigkeit nur durch das Umweltmanagement geleistet wird, lässt dies die weiteren, ebenso wichtigen Aspekte der Nachhaltigkeit häufig unberücksichtigt. Ernst gemeintest Nachhaltigkeitsmanagement sieht anders aus.

Die Situation morgen
Vorstellbar, und was sich teilweise auch abzeichnet, ist die Einrichtung von Corporate Social Responsibility Stabsabteilungen. Diese Abteilungen, ausgestattet mit dem nötigen Budget, angemessener Management Attention und Personalstärke erarbeiten Vorschläge zur größeren Nachhaltigkeitsintegration in der Linie, Steuerung von Nachhaltigkeitsinitiativen, zentrales Sponsoring, Prüfung von Umweltbelangen, Prüfung der Nachhaltigkeit von Geschäftsmodellen, Maßnahmen zur Bestanddsicherung, Sicherstellung der Einhaltung regulatorischer Vorschriften etc. Dies wäre eine Entwicklung die einem konsequenten Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit Rechnung tragen würde.

Die Situation übermorgen
Langfristig wird nachhaltige Unternehmensführung sicherlich von denen gewährleistet die auch die Verantwortung tragen - der Unternehmensführung. Ganz gleich ob nun CEO oder gar ein CSO, in jedem Fall wäre dies ein der konsequenteste Weg um mit den Themen Umwelt, Sozial, Steuerung und Bestandssicherung umzugehen.

Einige Nachhaltigkeitsbegriffe und ihre Bedeutung:

Corporate Social Responsibility - in den meisten Fällen synonym zu Sustainability, Corporate Responsibility, Nachhaltigkeit, Unternehmensverantwortung oder Responsible Business; nachhaltige Unternehmensführung
Corporate Citizenship - das Unternehmen als gutes Mitglied der Gesellschaft, bürgerliches Engagement
Corporate Foundations - Einrichtung von gemeinnützigen Stiftungen
Corporate Giving - Spenden und Sponsoring durch Unternehmen
Corporate Volunteering - Engagement für wohltätige, soziale Zwecke unter Einbindung der Mitarbeiter
Corporate Venturing - Förderung von kleinen, innovativen und für das Unternehmen relevanten Unternehmen oder Start-Ups z.B. durch Minderheitsbeteiligungen
 

Warum die Ressource Wissen ein Nachhaltigkeitsthema ist

Warum die Ressource Wissen ein Nachhaltigkeitsthema ist

Nachhaltigkeit ist in aller Munde und ein Thema das inzwischen ebenso inflationär wie vielfältig gebraucht wird. Nachhaltigkeit als Wort steht für Bewahren, zukunftsfähiges und langfristig orientiertes Handeln, Berücksichtigung der Außenwelt, Substanzerhalt. Für Unternehmen bedeutet Nachhaltigkeit im Speziellen daher Maßnahmen die die Unternehmensfunktionen in Hinblick auf ökologische, soziale, unternehmerisch-steuernde und bestandssichernde Aspekte ausrichten.

Ökologische Aspekte können Themen wie Energieeffizienz oder ausbalancierte Einflüsse des Unternehmens auf die Umwelt sein. Soziale Aspekte können Funktionen und Kontrollen sein, die beispielsweise Arbeitsbedingungen angemessen ausrichten oder ein Engagement des Unternehmens im Bildungsbereich. Unternehmerisch-steuernde Aspekte tragen beispielsweise Sorge dafür, dass Wohlverhalten im Rahmen der gesetzlichen und gesellschaftlichen Normen stattfindet oder dolose Handlungen, wie Fraud, ausgeschlossen werden. Die bestandssichernden Aspekte der Nachhaltigkeit in Unternehmen berücksichtigen all solche Faktoren, die die langfristige Bestandssicherung und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens beeinflussen. Und hier findet sich auch der erfolgskritische Wettbewerbsfaktor Wissen wieder, der nachhaltig gemanaged werden muss.

Wandel zur Wissensgesellschaft

Unser Lebensumfeld und die Arbeitswelt befinden sich in der Veränderung von der industriell geprägten Gesellschaft hin zur Informations- und Wissensgesellschaft. Unternehmen sind daher gehalten dieser Entwicklung proaktiv und nicht reaktiv zu begegnen um nachhaltig wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch die globalisierte Wirtschaft treibt, geprägt durch sehr hohe Dynamik und größeren Wettbewerbsdruck, den Bedarf voran, Wissen nachhaltig zu managen um den damit verbundenen Herausforderungen zu begegnen. Immer kürzere Innovations- und Produktlebenszyklen verstärken zudem die Anforderung an die Unternehmen durch die Kreativität und das Wissen ihrer Mitarbeiter flexibel, zeitnah und persistent reagieren zu können.

Wettbewerbsfaktor Wissen

Wissen ist aus unterschiedlichen Gründen ein zentraler und nachhaltiger Wettbewerbsfaktor. Wissen bedeutet das Gesamt an Erkenntnissen und Fähigkeiten, die Personen im täglichen Leben zur Bewältigung von Aufgaben einsetzen. Dieses Wissen bildet sich aus Daten und Information die im Individuum vernetzt werden und daher an Personen gebunden ist. Dies bedeutet Wissen ist individuell und damit schwer imitierbar, folgerichtig ist das Unternehmen mit der effektiveren und besseren Wissensbasis gegenüber seinen Wettbewerbern im Vorteil. Wissen heißt auch Wissen über Anspruchsgruppen, also die Bedürfnisse, beispielsweise der Kunden, richtig bedienen zu können. Wissen bedeutet auch Kompetenz zu Handeln, also die richtigen Dinge richtig zu tun. Wissen und Wissensaustausch bedeutet ebenso lernen aus Fehlern, dies bedeutet dass Unternehmen die sich nachhaltig und ständig zu verbessern suchen, auf Wissen, Wissenaustausch und Wissensentwickelung angewiesen sind. Auch wenn Veränderungen von Nöten sind und ein Unternehmen flexibel, beispielsweise auf veränderte Marktgegebenheiten, reagieren muss, ist eine nachhaltige und sich entwickelnde Wissensbasis unerlässlich. Ebenso ist Innovation ohne solide Wissensbasis zum Scheitern verurteilt.

Wissen als ein entscheidender Baustein der Nachhaltigkeit

Wissen ist Teil der bestandssichernden Aspekte von nachhaltiger Unternehmensführung. Es liegt also in der unternehmerischen Verantwortung des Managements den Wettbewerbsfaktor Wissen aktiv zu steuern um nachhaltige Bestandssicherung zu erreichen und nicht sich selbst zu überlassen. Die Unternehmen die langfristig bestehen werden, sind nicht die informierten sondern die lernenden und wissenden Organisationen.

Intangible Assets und das Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts (Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz, BilMoG)

Über die Notwendigkeit Intangible Assets elaboriert zu managen und zu reporten haben wir ja hier bereits ausführlich berichtet, ebenso wie über die Tatsache, das viele Unternehmen und Organisationen in Deutschland das Thema sträflich vernachlässigen. Nun geht der Gesetzgeber den nächsten Schritt: Das Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts (Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz, BilMoG) zielt auf die Verbesserung der Aussagekraft der Finanzberichtserstattung und eine kleine Annäherung an den internationalen Standard IFRS. Neben neuen Regelungen zu Zweckgesellschaften und Rückstellungen ist die deutliche Neuerung die Möglichkeit, auch immaterielle selbstgeschaffene Vermögensgegenstände des Anlagevermögens zu bilanzierungspflichtigen Posten zu erklären. D.h. hierdurch wird die Aussagekraft der Bilanz, insbesondere bei innovationsstarken Unternehmen oder Dienstleistungsunternehmen mit geringen, traditionellem Anlagevermögen, deutlich gestärkt. Ferner hat dies zur Folge, dass Intangible Assets nun kein Rand- oder Schön-Wetter-Thema mehr sind, sondern zur Notwendigkeit in der Unternehmenssteuerung und im Unternehmensreporting werden. Der Gesetzgeber ist mit dem BilMoG einen wichtigen Schritt gegegangen…jetzt bleibt abzuwarten wie die Unternehmen nachziehen.

Regierungsentwurf des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes
http://www.bmj.bund.de/files/-/3152/RegE%20Gesetz%20zur%20Modernisierung%20des%20Bilanzrechts.pdf

Stellungsnahme des Bundesrates
http://www.bundesrat.de/cln_050/nn_8336/SharedDocs/Drucksachen/2008/0301-400/344-08_28B_29,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/344-08(B).pdf

Wissen macht Zukunft…

Wie erfolgskritisch Wissen und Information und dem zur Folge auch Wissensmanagement ist, zeigte sich wieder einmal bei der BMWi-Konferenz “Wissen macht Zukunft” im Sommer dieses Jahres.

“Der Vorsprung an Wissen ist unser einziger und entscheidender Wettbewerbsvorteil”

stellte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie und Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung, Hartmut Schauerte, noch einmal klar.

Interessant ist die Veränderung des Grundtenors: Wo früher Wissensmanagement erst als Allheilmittel verschrien wurde, dann enttäuschte und anschließend lediglich als theoretische Möglichkeit angesehen wurde, scheint es jetzt, auch gestützt durch gute Praxisresultate, einen belegbaren und unzweifelhaften Beitrag zu leisten - und das eben nicht mehr nur bei Wissensmanagementanhängern sondern auch bei Fachfremden. Auch die Kraft die in Communities steckt scheint inzwischen nicht mehr angezweifelt zu werden.

Eine begrüßenswerte Entwicklung. Jetzt muss sich zeigen ob dieser Paradigmenwechsel auch in Taten umgesetzt wird.

Ein kurzer Blick auf das Thema Innovation…

Wenn wir uns mit Information, Wissen und Intangible Assets auseinandersetzen ist der Weg zum Thema Innovation nicht weit. Basieren sie doch nicht nur auf Kreativität und Marktsituationen sondern auch auf Information, Wissen und Intangible Assets. Gerade wo eine höhere Dynamik im wirtschaftlichen Alltag festzustellen ist wird Innovation zu dem entscheidenden Faktor im Wettbewerb. Für Deutschland als ressourcenschwaches Land ist es gar von besonderer Bedeutung.

Die Bosten Consulting Group unterstreicht dies im Report Innovation 2007 indem herausgestellt wird, dass Innovation für alle Regionen der Welt von entscheidender Bedeutung sind.

Zeit nun einen Blick auf die Situation in Deutschland zu werfen. Der Innovationsindikator 2007 belegt was wir häufig in der Praxis wahrnehmen: Es steht nicht zum Besten wenn es um das Thema Innovation in Deutschland geht. Tatsächlich haben sich einige Indikatoren im Vergleich zu 2006 sogar verschlechtert.

e-Learning: Re-Thinking Education

Hier ein Video der Weltbank von 2007 zum Thema e-Learning. Teilnehmer Harry Patrinos
und Robert Schank.

Hier die Beschreibung:
The event “e-Learning: Re-Thinking Education”, which took place at the World Bank headquarters in Washington D.C. on November 8th featured Robert Schank, Founder of the Institute of e-Learning and Professor at Northwestern University. Harry Patrinos, Lead Education Economist at the World Bank introduced the speaker and chaired the event.
Schank started by stating that he is challenging basic beliefs about education, and acknowledged that his views on the subject are radical. He criticized the current educational system by stating that it was not developed with students in mind. Rather, it is controlled by governments and universities. The current system, he said, was established by Harvard University in 1982 to prepare students for that institution by teaching the same subjects taught there. And while the country, under this system, does succeed at producing intellectuals, there is still a 50 percent drop-out rate in urban schools. This is a system, Schank explained, where there is too much lecturing and too little application of the skills learned. Lecturing, he said, suppresses the students’ own thoughts and reactions to the material learned. Students most often forget all the material they learn after they are tested, with the exception of that which they apply in their every day lives. It is a system that persists, Schank stated, because of economic reasons and resistance to change by universities.

Schank went on to explain why this style of learning, and the current school system, is so flawed. Practice, he said, is everything in learning. He pointed out that evidence suggests that the mind has not changed much over the last 100,000 years, and that humans have been using language for at least that long. However, consciousness may be a relevantly recent phenomenon in human history. If this is recent, he asked, is learning then a conscious process? Schank pointed out that the knowledge that truly matters is that which is used daily at a job, or in day to day life, and which one may not be able to articulate. This is unconscious knowledge. Schank stated that while most necessary learning is absorbed unconsciously, teaching is still taught consciously. He also pointed out that the problem with reading is that it tells the same story regardless of the person who is doing it. Finally, he criticized the idea of teaching students what they don’t want to know, rather than personalizing the curriculum.

Schank then explained the role e-Learning can potentially play in changing education as we know it today. Current e-Learning he says, aims to copy schools by a more efficient delivery our current conception of education. However, Information Technology, Schank said, allows us to create a new model of education that resembles the ancient model. In this model teachers can teach as needed, students pursue goals they want to pursue, learning is just in time, practice is key, students learn by doing, and they are tested by performance and not competence. The computer changes the nature of where we can find the expertise, since learning can be mediated my mentors that are anywhere in the world. It is not impossible to imagine, Schank stated, a multitude of mentors spread around the world who could teach a multitude of different subjects—something that is not possible in schools. Computer and team learning can also replicate work in the real world. Here, a student can ask help from the teacher, the online mentor, the fellow students (who are not competing, but collaborating with the work), use books, or use the web. In the question and answer session, audience members asked about how to deal with those who claim that practical based training does not constitute education, the role of the teacher in his proposed system, and how students may have difficulties adapting to society after they have graduated.

Und hier das Video: e-Learning: Re-Thinking Education

Kommentar in der Wirtschaftswoche

Die Wirtschaftswoche berichtete in der Ausgabe 41/2007 in der Rubrik Politik + Weltwirtschaft unter dem Titel Bremse Nr. 1 über eine Initiative deutscher Unternehmen dem Ingenieurmangel zu begegnen.

Unternehmen gehen in die Schulen, um die Kinder für Naturwissenschaften
und Technik zu begeistern und den Ingenieurmangel zu bekämpfen.

Daraufhin folgte von mir folgender Kommentar der in der Ausgabe 44/2007 gekürzt veröffentlicht wurde. Hier der komplette Kommentar.

Hausgemachte Probleme - ignorierte Lösungsmöglichkeiten

Sicher ist es zu begrüßen, dass einige Unternehmen nun versuchen ihr Personalproblem mit einer langfristigen Lösung anzugehen, anstatt blind die Politik verantwortlich zu machen. Allerdings verbessert dies die gegenwärtige Situation nicht im Geringsten, der Globalisierungsdruck wird, gerade in der Industrie, in den nächsten Jahren in Deutschland noch deutlich spürbarer werden. Daher muss jetzt gehandelt werden und praxisnahe Lösungen, unabhängig von Neueinstellungen, gibt es en masse. Dies fängt beispielsweise bei professioneller Personalentwicklung an und geht über globales Recruitment und zielgerichteter interner Weiterbildung bis hin zum Wissensmanagement. Wenn Wissen und Innovation tatsächlich die kritischen Erfolgsfaktoren der deutschen Wirtschaft sind, dann dürfen sie nicht nur Plattitüden bleiben, sondern es müssen Taten folgen. Dann werden die begeisterten Schüler auch noch Arbeitgeber vorfinden wenn sie die Universitäten verlassen.

Wie sinnvolles Wissensmanagement erneut durch Hype und Technikfokus gefährdet wird

Wie schon in der Vergangenheit reklamieren Technologiekonzerne das Thema Wissensmanagement für sich. Dieses mal wird Web 2.0 zum Allheilmittel hochstilisiert und wiederum der Öffentlichkeit suggeriert Wissensmanagement ließe sich durch Technikeinsatz überzeugend realisieren. Ein Irrtum der ein weiteres mal die konsequente Umsetzung von Wissensmanagement in Unternehmen bedroht.   Wissensmanagement soll die Ressource Wissen im Sinne der Unternehmensziele nutzbar machen. Wissen bedeutet das Gesamt an Erkenntnissen und Fähigkeiten, die Individuen im täglichen Leben zur Bewältigung von Aufgaben einsetzen. Dieses Wissen bildet sich aus Daten und Information die im Individuum vernetzt werden und daher an Personen gebunden ist. Und hier wird deutlich das Technik allein dieses nicht leisten kann. Vielmehr müssen auch organisatorische und menschliche Faktoren mit einbezogen werden.

 Wissensmanagement ist weit komplexer als ein technisches Gimmick. Jede Organisation sollte kritisch prüfen ob und wie Wissensmanagement Nutzen stiften kann und die eigene Wissensbasis analysieren, denn Out-of-the-box Standardlösungen gehen häufig ins Leere da jede Organisation ganz eigene Anforderungen birgt.  Die engagierten und begrüßenswerten Initiativen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie weisen den richtigen Weg. Deutschland ist als rohstoffarmes Land darauf angewiesen, das die Unternehmen ihre wichtigste Ressource, das Wissen und Innovationspotenzial ihrer Mitarbeiter, optimal nutzen. Nur mit einem Wiki irgendwo im Intranet ist es nicht getan.